Das Hilfetelefon: Kompetente Beratung und Unterstützung für Frauen in Not

24 Stunden erreichbar, anonym und kostenlos

Traurig aber wahr: Studien zufolge ist jede dritte Frau in Deutschland von physischer und/ oder sexueller Gewalt betroffen. Doch gerade einmal 20 Prozent der Betroffenen wenden sich an Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen. Immerhin: die Tendenz ist steigend. Inzwischen sprechen immer mehr Frauen über das, was sie erlebt haben und suchen aktiv nach Hilfe. Eine Anlaufstelle ist das Hilfetelefon: An 365 Tagen im Jahr ist das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ Anlaufpunkt für Frauen, die in der Vergangenheit Gewalt am eigenen Leibe erfahren haben oder noch immer erfahren – physisch und/ oder psychisch. 
Ziel der niedrigschwelligen Kontaktaufnahme mit dem Hilfetelefon ist es, den weiteren Weg zu professionellen Einrichtungen vor Ort zu ebnen. Qualifizierte Beraterinnen stehen den betroffenen Frauen vertraulich zur Seite und stellen den Kontakt zu Frauenhäusern oder Beratungseinrichtungen her. Gestartet ist das Hilfetelefon im März 2013 und ist seitdem als 24-Stunden-Beratungsangebot unter der Nummer 08000 116 016 und per Online-Beratung erreichbar. 
Anlässlich der Orange Days 2021, die weltweit ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen und dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November, möchten wir auf Unterstützungsangebote aufmerksam machen. 
Die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Kliniken Köln, Franziska Winther, hat mit dem Hilfetelefon gesprochen.

Franziska Winther: Wer arbeitet beim Hilfetelefon? Carina Giuliani (r.), Gleichstellungsbeauftragte und Franziska Winther (l.), stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Kliniken Köln, informieren über das anonyme Hilfetelefon für Frauen. ©Brock
Beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ sind ausschließlich weibliche Fachkräfte tätig. Alle Beraterinnen verfügen über einen Abschluss etwa in Sozialarbeit oder Psychologie und bringen Erfahrung in der psychosozialen Beratung mit. Um Ratsuchende bestmöglich zu unterstützen, sind für die rund 80 Beraterinnen Fachkompetenz und regelmäßige Fortbildungen, kommunikative und soziale Fähigkeiten sowie eine bestimmte Grundhaltung gegenüber Ratsuchenden unerlässlich.

Franziska Winther: Kann das Beratungsgespräch anonym erfolgen?
Zu den Maximen des Hilfetelefons gehört, dass die Ratsuchenden anonym bleiben können. Ratsuchende brauchen ihren Namen nicht zu nennen und personalisierte Daten werden weder dokumentiert noch gespeichert. Dies geschieht zum einen aus Sorge um die Sicherheit betroffener Frauen. Zum anderen stellen Anonymität und Vertraulichkeit für viele die ausschlaggebenden Faktoren dar, sich mit ihrem Anliegen an das Hilfetelefon zu wenden. Selbstverständlich unterliegen alle Beratungen der Schweigepflicht – die besprochenen Inhalte werden von den Beraterinnen streng vertraulich behandelt.

Franziska Winther: Sehen die Beraterinnen die Telefonnummer der Anruferin?
Den Beraterinnen bleibt die eingehende Nummer ratsuchender Frauen zu jedem Zeitpunkt verborgen – im Gegenzug erscheint die 08000 116 016 nicht im Einzelverbindungsnachweis der Anrufenden. Auf Wunsch erklären die Beraterinnen, wie eine Anruferin die Nummer des Hilfetelefons etwa aus der Anrufliste ihres Mobilgeräts löschen kann. Auch die Online-Beratung ist anonym nutzbar: Die Beratung per E-Mail erfolgt über ein anonymes Benutzer-Konto auf www.hilfetelefon.de, das die Ratsuchenden anlegen; Benutzernamen und Passwort kennen nur sie. Die gesamte Kommunikation erfolgt dann verschlüsselt über dieses sichere Konto – von außen kann niemand darauf zugreifen und Einblick nehmen. Genauso sicher sind die Chat-Beratung und der Besuch der Internetseite, wobei keine IP-Adressen gespeichert werden.

Franziska Winther: Wie läuft das Beratungsgespräch ab?
Die Beraterinnen nehmen sich Zeit, hören zu und ermitteln gemeinsam mit den Ratsuchenden, was das konkrete Anliegen ist und wie sie bestmöglich unterstützt werden können. In wertschätzendem, respektvollem und empathischem Dialog suchen die Beraterinnen individuell mit jeder Frau nach Lösungswegen. Ausgehend von der persönlichen Lebenssituation der Betroffenen sowie ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten, unterstützen, bestärken und ermutigen die Beraterinnen sie, die nächsten Schritte zu gehen, um sich aus der Gewaltsituation zu lösen. Die Entscheidung, wie diese Schritte aussehen, liegt allein bei den Ratsuchenden – es wird nichts über deren Kopf hinweg unternommen. Benötigen betroffene Frauen eine längerfristige Begleitung, vermittelt das Hilfetelefon sie an Unterstützungseinrichtungen und Fachberatungsstellen vor Ort weiter. Gewalt wird von den Betroffenen sehr unterschiedlich erlebt. Jede Situation ist anders und auch die Folgen von Gewalt sind verschieden. Deshalb bietet das Hilfetelefon keine Patentlösungen und fertigen Antworten.
#schweigenbrechen

Hilfetelefon - Gegen Gewalt an Frauen | Weitere Informationen unter www.hilfetelefon.de